Ortsgemeinde Dürrholz

Ortsbürgermeisterin Anette Wagner
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56307 Dürrholz

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Historische Wanderwege Muscheid

27.09.2020

Station 1: Dürrholzer Schule auf der Lieweck

 

Auszug aus der Muscheider Schulchronik:
 
Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Schule „auf der Lieweck“ gebaut. Im Jahre 1850
wurde Simon Kuhl aus Niederdreis zum Lehrer an der Dürrholzer Schule „auf der Lieweck“ ernannt.
Er schreibt:

„Anfangs bekam ich 70 später 80 Taler Gehalt. Um mein Einkommen zu erhöhen, trieb ich Ackerbau.
Meine Schule wurde in der ersten Zeit von 120 Schülern besucht, später stieg die Schülerzahl
auf 155. Da einesteils er Schulsaal zu eng, andernteils eine solche Menge schwer zu unterrichten war,
beantragte der Bürgermeister die Trennung der Schule. Die Sache wurde in der Weise geregelt,
daß Muscheid allein und Daufenbach und Werlenbach zusammen eine neue Schule erhalten sollten.“
 
Die beiden „neuen“ Schulen wurden im Jahr 1860 gebaut.

Herkunft vom Flurname Lieweck (Quelle: Karl-Erich Anhäuser, im Mai 2020):

Dieser Flurname, so wie er heute gesprochen wird und wie er in den Katasterunterlagen
verzeichnet ist, ist zweifelsfrei eine reine örtliche Dialektform, die der Geometer bei der
Urkatasteraufnahme Anfang der 30-er Jahres des 19. Jahrhunderts verzeichnet hat.
Als Ortsfremder hat er damals ältere Muscheider befragt und als Antwort "Liiweck" bekommen.
Da damals in vielen Fällen die ortsfremden Geometer bemüht waren, solche Dialektformen
in ein gewohntes Kanzleideutsch zu bringen, fand man offensichtlich bei "Liiweck" keine Entsprechung
in der deutschen Standsprache. Das Grundwort (w)eck steht für Hecke (Nieder- oder Bauernwald)
und das Bestimmungswort Lii(w) steht entweder für "ansteigendes Gelände" oder - was ich für
am wahrscheinlichsten halte - für Lohe (umgelautet) Löhe "Baumrinde zur Lederherstellung".
Dieses -ö- wird im heimischen Dialekt als langes i gesprochen. Bei der Aussprache im Dialekt
scheint aus ursprünglichem "Liiheck" "Liiweck" geworden zu sein.
Also: Geschriebenes "Lieeck" oder ähnlich geschrieben, scheint nichts anderes als "Lohhecke"
in unserer Standardsprache zu bedeuten. Das Schälen der Baumrinde war früher ein Beruf
und die Schäler wurden Löher genannt. Daraus entstand auch der häufige heimische Familienname Löhr.

Station 2: Der verschollene Hof Heydersbach

Quelle: Karl Erich Anhäuser

„Die erste bekannte urkundliche Erwähnung des Hofes stammt aus dem Jahr 1286. Sie ist zu
finden im Urkundenbuch des „Deutschen Ordens“.
Ein Adelsgeschlecht aus „Arscheit“ hatte die „Güter zu Heydersbach“ im Besitz.

1582 und 1615 ist der Hof als Hedersbach in den Archiven aufgeführt.
Vermutlich wurde der Hof aufgrund von Armut durch die letzten Eigentümer aufgegeben.
Diese wanderten im 18. Jahrhundert nach Amerika aus. Auf einer Karte von 1860 ist die Lage der Gemarkung
als „Harschbacher Hof“ eingezeichnet. Heute ist von dem Hof leider nichts mehr zu sehen.“

Zur Namensgebung des Hofes wurde wegen seiner Lage der kleine Wasserlauf herangezogen,
der in Muscheid entspringt, dann nordöstlich in Richtung Werlenbach fließt und sich dort mit dem
von Daufenbach kommenden Bach vereinigt, im Dialekt Heeschbich genannt.
Die schriftlichen Überlieferungen des Namens erscheinen überwiegend als
Heydersbach, Heidersbach, Hedersbach, Hersbach, Herschbach und zuletzt durch den ortsfremden Geometer
als Harschbach.

Etwa 450 Jahre (1572 und 1577) ist es her, als Bewohner des Hofes namentlich erstmals
in Abgabe- und Steuerlisten notiert wurden. In den folgenden Jahrzehnten wird die Quellenlage
bedingt durch den Dreißigjährigen Krieg spärlicher. Als 1703 der Grundbesitz im Kirchspiel Puderbach
geschätzt wurde, findet man für Muscheid separat aufgeführt den Hof Herßbig.
Spätestens 1767 lebte niemand mehr auf dem Hof oder es gab den Hof zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr.
Aus der Landschatzungsliste vom 4. April 1767 findet man ihn jedenfalls nicht mehr.

Erwähnungen aus diversen Steuer-, Abgabe- und Einwohnerlisten:
1572 (Lämmergeld) - Muscheid: Clauß von Heidersbach - Daufenbach: Rorich von Heidersbach
1577 (Lämmergeld) - Claus von Heidersbach
1585 Heidersbach (Muscheid u. Heidersbach 9 Hausgeseß)
1589 Heidersbach: Rorich und Margh
1590 Heiderßbach: Rorich zu Heidersbach und Merg, seine Mutter
1595 Heidersbach: wie vor
1604 Heidersbach: Peter Scheffer und Rörich
1605 Heidersbach
1641 Wilhelm zu Hedersbach, wohl der Sohn von Rörich
1656/57 Wilhelm daselbst (in Hedersbach)
1697 Johannes Röhrig
1698 Johannes Röhrich

Wenn zukünftig keine weiteren Hinweise zu den Gründen des Verschwindens mehr gefunden werden,
wird es ein Rätsel bleiben, warum der Herschbacher Hof vom Erdboden verschwunden ist.
Jedenfalls ist seine Existenz ein Beweis dafür, dass bereits im 13. Jahrhundert Muscheid besiedelt war.

Station 3: Bergbau am Mühlenseifen

In den vergangenen Jahrhunderten wurde im Muscheider Umfeld reger Bergbau betrieben.
Teilweise war dies die einzige Einnahmequelle der damals sehr armen Bevölkerung.

Der Muscheider Lehrer Kurz, der von 1901 bis 1937 an der Muscheider Schule lehrte,
schreibt im Jahre 1936 folgendes über den Bergbau in seiner Schulchronik:

Als 1865 Krupp die Gruben „Georg“ und „Luise“ übernahm, wurden auch in Muscheid die Verhältnisse besser,
denn die Verdienstmöglichkeiten nutzten die verarmten Dörfler reichlich aus.
Jedes Haus stellte einen Bergmann, wenn auch der Lohn sehr gering war und dem Verbrauch an Arbeitskraft
durchaus nicht entsprach; die Not der Familie forderte es eben,
und die Muscheider und mit ihnen die aus den anderen Dörfern waren ja nicht verwöhnt.
 
Der Schreiber dieser Zeilen kann sich entsinnen, dass noch ums Jahr 1900 die meisten
Muscheider Bergleute nicht über 2 Mark den Tag verdienten. Welche Freude die erste Löhnung
einem Muscheider Bergmann bereitete, davon wissen die alten Leute folgendes zu erzählen:
Von der ersten Löhnung nach Hause kommend, setzt sich dieser Bergmann an einen Tisch
und in dem er mit dem gefüllten Beutelchen auf den Tisch stößt, ruft er zum offenen Fenster hinaus:
„Heute bin ich nicht zu sprechen. Wer ungerufen zu mir kommt, muß stracks des Todes sterben.

Die Dürrholzer Bergleute arbeiten nur noch auf der Grube Reichenstein; Grube Georg und Luise liegen still,
letztere wohl für immer. Vor etwa 150 Jahren (ca. 1770-1780) brauchten die Muscheider Bergleute
nicht außerhalb der Gemeinde zu arbeiten, denn nach einer Bemerkung im Landeskalender vom Jahre 1772
wurde auf dem „Mühlenseifen“ und „Johannesberg“ Kupfer gewonnen und bei Muscheid Pottasche hergestellt.
An derselben Stelle wird aber auch darüber Klage geführt, daß die Eisenindustrie
und die Pottasche unter dem Waldbestand stark aufräumen.

Zum aufmerksamen Beobachter, der die Grenzbach zugekehrte Seite der Dürrholzer Gemarkung durchwandert,
werden nicht die vielen Mutungsstellen (Stollen und Schächte) aus früheren Zeiten entgehen.
Schon der wiedische Heimatkalender vom Jahre 1772 berichtet über die Kupfererzfunde
auf dem „Johannisberg“ bei Werlenbach. Wenn auch nichts Näheres darüber mitgeteilt werden kann,
wie lange und mit welcher Ergiebigkeit dort gearbeitet wurde, so kann doch aus den Resten des Schachtes
und mit Hinsicht auf den langsamen Fortschritt des Abteufens in damaliger Zeit,
auf eine längere Arbeitsdauer geschlossen werden.
 
Für Eisenerz kam „Mühlenseifen“ bei Muscheid in Frage. In den vierziger und neunziger Jahren
des vorigen Jahrhunderts (1840/1890) wurde dort eifrig gesucht. Gewiß hat das in diesen Jahren
gezeichnete Grubenbild und der Ausfall des Eisenerzes in etwa 550 Tiefe auf dem Reichensteiner Berg
die Grubenverwaltung der „Guten Hoffnungshütte“ in Oberhausen veranlaßt,
einen Versuchsschacht auf „Mühlenseifen“ zu schlagen.
Mit welcher Hoffnung die Arbeit begonnen wurde, läßt sich aus den Zeilen des Nationalblattes ersehen.
Sie lauten:
 
„Abseits von der großen Straße, kaum beachtet von der breiten Öffentlichkeit,
ist bei Muscheid ein Werk begonnen worden, das einst über den örtlichen Bezirk hinaus
auch für die gesamte Wirtschaft im Rhein-Wied-Kreis von Bedeutung werden soll.“
 
Leider kam es anders. Kurz nach Pfingsten 1935 begann man mit der Herrichtung der
erforderlichen oberirdischen Baulichkeiten. Maschinenhäuser, Ankleideräume,
Transformatorenhaus mit Lichtleitung und vor allem der ungefähr 25 m hohe Förderturm,
das Wahrzeichen der ganzen Anlage entstanden.

Und heute (Juni 1936) ist bis auf eine Reihe von Lichtmasten und ein neues Maschinenhaus,
das Heim der HJ werden soll, schon wieder alles entfernt.
Auf immer wird wohl „Mühlenseifen“ bei Muscheid als Grubenfeld gestrichen sein,
aber auch für immer wird der lange Hügel „Berge“ der Nachwelt zeugen von dem einstigen Versuch,
dort Eisenerz zu finden.

Durch Einstellung der Versuchsarbeiten auf dem „Mühlenseifen“ und den Ausfall weiterer
abbaufähiger Örter auf dem Reichensteinerberg, wurde die dortige Belegschaft auf wenige Mann verringert.
Landratsamt, Arbeitsamt und „Gute Hoffnungshütte“ bemühten sich, den Entlassenen,
soweit sie Hauer waren, neue Arbeitsstellen in Süddeutschland zu verschaffen.
 
27 Mann, darunter die Muscheider Erwin und Willi Schneider, Christian und Theodor Neuer und Erich Runkel,
folgten der Werbung und verließen am 16. April 1936 von Puderbach aus unter großer Anteilnahme
der Bevölkerung die Heimat. Doch nach drei Tagen waren 23, darunter alle Muscheider, schon wieder daheim.
Nach ihrem Erzählen waren Unterkunft und Arbeitsverhältnisse schlecht.
Eine zweite Werbung, diesmal für den Harz, zerschlug sich auch.
Lehrer Kurz, 1936


Karl-Erich Anhäuser beschreibt die Herleitung der Flurbezeichnung „Auf den Eisenkaulen“
und den Bergbau im 18. Jahrhundert.

Auf dem Eisenkaulen (Walddistrikt). In der Mundart „Äisekoul“ genannt,
wird in dieser Flurbezeichnung auf einen frühen Bergbau in Muscheid hingewiesen.
Kaule steht hier als volkstümliche Form von Grube, also einer durch Graben von Menschenhand
hergestellten Erdvertiefung. Diesen Graben war mit einem Sinn und Zweck verbunden:
der Gewinnung von Erdmaterialien, im vorliegenden Fall von Eisenerz.
Andere Beispiele für solche Kaulen: Steinkoul, Lehmkoul, Kieskoul oder Leiekoul,
wobei Steinkoul und Leiekoul im Hochdeutschen zu Steinbruch oder Schieferbruch wurden.

Ob das aus der Erde geholte Eisenerz auch an Ort und Stelle oder in der Nähe verhüttet wurde,
darüber war bisher nichts konkretes festzustellen. Eine in den alten Flurkarten nicht vermerkte
Bezeichnung wurde mir in der Mundart als „Äisemerhötchen“ genannt.
Wenn „-hötchen“ mit „Hött“, also Hütte, zu sehen ist,
dann dürfte in diesem Zusammenhang auch an Eisenerzverhüttung zu denken sein.
Eine Bemerkung in dem Wied-Runkel’chen Kalender von 1772 läßt ebenfalls darauf schließen.
Demnach soll damals auf dem „Mühlenseifen“ und dem „Johannesberg“ Kupfer gewonnen worden sein,
wobei unter dem Waldbestand stark aufgeräumt wurde,
denn Holz wurde für die Verhüttung der Erde massenweise benötigt.

Station 4: Die Fliehburg „Häckers Bursch“

Quelle: H. Preißing, Alte Wehranlagen im Kreis Neuwied, Heimat-Jahrbuch des Landkreises Neuwied 1984:

„Auf einer zum Grenzbachtal mäßig geneigten Bergzunge, die in Talnähe von einem steilen Hang begrenzt wird,
überquert ein mächtiger Erdwall in Nord-Süd-Richtung den im Norden und Süden von
kleinen Seitentälchen des Grenzbaches abgeriegelten Höhenrücken.

Abschnittswall Dürrholz bei Muscheid:
Die kleine Wehranlage in der Gemeinde Dürrholz,
westlich des Ortsteil Muscheid in der Verbandsgemeinde Puderbach,
ist ein schönes Beispiel für einen weitverbreiteten Typ von Verteidigungseinrichtungen,
die in vielfältig abgewandelten Formen von der Jungsteinzeit bis ins Mittelalter entstanden sind.“
Darunter finden sich nicht selten solche, die früh angelegt, später aufgegeben,
in nachfolgenden Epochen wieder instand gesetzt, verstärkt und erneut genutzt worden sind.

Auf einer zum Grenzbachtal mäßig geneigten Bergzunge, die in Talnähe von einem steilen Hang begrenzt wird,
überquert ein mächtiger Erdwall in Nord-Süd-Richtung den im Norden und Süden von kleinen Seitentälchen
des Grenzbaches abgeriegelten Höhenrücken.
An der Zugangsseite von Osten wird der leicht nach innen gekrümmte Wall von einem flachen Sohlgraben begleitet.
An der am besten ausgeprägten Stelle nahe dem höchsten Punkt misst der Wall von der Krone
bis zur Grabensohle noch ca. 2,50 m Höhe. Hier ist er ca. 8.50 m, der Graben ca. 4 m breit.
Die Grabentiefe misst hier ca. 1 m über dem Vorgelände.

Am höchsten Punkt der Anlage, der ca. 300 m über N.N. liegt, wird der Wall von einem Weg durchschnitten,
der Graben ist hier auf ca. 3 m unterbrochen. An dem Platz könnte eine Toranlage zu suchen sein,
deren Existenz jedoch nur durch eine fachgerechte Ausgrabung nachzuweisen ist.
In dem südlich vom Weg gelegenen Abschnitt des insgesamt ca. 90 m langen Wall-Graben-Systems
wird der Graben von einer weiteren, ca. 3 m breiten Erdbrücke unterbrochen.

Oberflächliche Hinweise auf eine im Wall verborgene Mauer gibt es nicht, Ansammlungen von Steinmaterial,
die auf eine solche hindeuten könnten, sind nicht erkennbar.
Offenbar wurde der Wall ausschließlich aus dem Erdaushub des Grabens aufgeschüttet.
Sicherungen des Innenraumes nach Norden, Westen und Süden waren hier wohl entbehrlich,
steile Berghänge erschweren den Aufstieg. Die Voraussetzungen für eine kleine Wehranlage
auf dem südlich eines alten Weges von Muscheid über die Grenzbachmühle nach Horhausen gelegenen Bergrücken
waren von der Natur fast ideal vorgegeben. Die günstigen Geländeformen ermöglichten es,
mit einem einzigen Graben-Wall-Zug quer zum Berg einen geschützten Platz zu schaffen,
der sich von einer relativ kleinen Zahl aufmerksamer Bewacher unter entschlossener Führung
wirkungsvoll verteidigen ließ.

Die natürliche Einschnürung des Bergrückens erforderte nur nach Osten eine kurze Absperrung,
die man rasch aufwerfen und mit einer kleinen Mannschaft bewachen konnte.
Für den Angreifer, dem sich fast nur an dieser Stelle eine Chance bot,
bedeutete das von außen zum Wall hinsteigende Gelände eine zusätzliche Erschwernis.
War der Wall schließlich überwunden, mußte im Innern erneut nach Westen gegen
höherstehende Verteidiger angegangen werden. Dort bot, 50 m vom Wall entfernt,
ein wohl natürlich entstandenes, leicht gewölbtes Plateau von rd. 10 x 20 m Abmessung
den bedrängten Verteidigern einen letzten Stützpunkt.
Eine Palisade könnte hier, wie wohl auch auf der Wallkrone, einen zusätzlichen Schutze gebildet haben.

Entstehungszeit und Zweckbestimmung der Anlage lassen sich angesichts ausstehender
archäologischer Untersuchungen nicht sicher erkennen.
Oberflächenfunde sind bis heute nicht bekannt geworden.
Die Lage nahe der Grenze auf einst wiedischem Herrschaftsgebiet im heutigen Kreis Neuwied,
zum ehemals kurtrierischen Land – heute Kreis Altenkirchen –
kann auf eine Bedeutung als Grenzwehr oder wehrhaften Sitz eines örtlichen Grundherren hinweisen,
was eine Zufluchtstätte für umliegende Ansiedlungen im Notfall nicht ausschließt.
Immerhin konnten hier einige hundert Menschen, mit dem Nötigsten versehen,
für eine begrenzte Zeit untergebracht bzw. verborgen werden.
So dürfte auch eine Bedeutung als Landwehr oder Landgraben,
die mehr der Grenzmarkierung als der Abwehr unerwünschter Eindringlinge an den Grenzen dienten,
hier ausgeschlossen werden. Von den Archäologen des Provinzialmuseums Bonn wurde nach
einer Besichtigung in den 1930er Jahren die Entstehung der Anlage zu vorgeschichtlicher Zeit
für nicht möglich gehalten. Bis heute ist im Kreis Neuwied keine Wehranlage dieser Art sicher datiert.
Aus Nachbarkreisen sind einige publiziert, für die aufgrund der Bauweise
oder von Scherbenfunden eine vorgeschichtliche Entstehung angenommen werden kann.

Angesichts der Bedeutung des Bodendenkmals regte der Verfasser im September 1985
bei der Kreisveraltung Neuwied an, den Abschnittswall Dürrholz unter Denkmalschutz zu stellen.
In relativ kurzer Zeit wurde das im Fürstlich-Wiedischen Wald in der Flur 17 der Gemarkung Dürrholz
auf der Parzelle 335/6 gelegene Denkmal am 28. Juni 1989 durch eine Rechtsverordnung
unter Denkmalschutz gestellt.
In der Begründung zur Ausweisung als geschütztes Kulturdenkmal wird darauf hingewiesen,
dass an der Erhaltung von Befunden und Funden aus wissenschaftlichen Gründen
ein öffentliches Interesse besteht. Dem ist hinzuzufügen,
dass die volkstümliche Heimatgeschichte hier mit einem zumindest gleichwertigen Forschungseifer
ihre Wissbegierde kundtun muss.
Durch ältere Leute in Muscheid wird für die Anlage die Bezeichnung „Häckesburg“ überliefert.
Die Bezeichnung findet sich auch in Aufzeichnungen aus den 1930er Jahren in der Muscheider Schulchronik.

Es bleibt die Hoffnung, dass unser gesetzlich geschütztes Denkmal den notwendigen praktischen Schutz erfährt.
Die von den heute gebräuchlichen großen Waldbaumaschinen ausgehenden Gefahren
für empfindliche Bodendenkmäler können deren substantiellen Bestand erheblich belasten,
wie einige Beispiele bei den Objektbeschreibungen in diesem Buch darlegen.

Für den Besuch des Abschnittswalles Dürrholz bieten sich zwei Wege an.
Vom Parkplatz nahe dem Gasthaus Grenzbachmühle unweit Horhausen (Wegweiser an der B 256 im Ortszentrum)
geht man auf der rechten (östlichen) Talseite Richtung Süden an Fischweihern und einem Tiergehege vorbei
durch Grenzbachtal, das hier die Grenze zwischen den Kreisen Neuwied und Altenkirchen bildet.
Nach ca. 200 m zweigen zwei Wege links in ein Seitental ab. Man nimmt den ersten mit dem Wegweiser „Muscheid“.
Nach weiteren 200 m biegt ein ansteigender Waldweg links fast rechtwinklig ab.
Diesem folgend treffen wir nach ca. 150 m auf das Südende von Wall und Graben am Berghang,
wenige Schritte links des Weges.
Eine andere Möglichkeit bietet der am westlichen Ortsende von Muscheid westlich zur Grenzbachmühle
führende Fahrweg. Nach wenig mehr als 100 m durch den Wald biegt ein Weg links ab,
der über einen großen Holzlagerplatz führend nach 300 m auf den höchsten Punkt des Walles trifft,
wo dieser vom Weg durchschnitten wird.
Eine wertvolle Hilfe zum Auffinden unseres Denkmals bietet die
topografische Karte 1:25 000 Naturpark Rhein-Westerwald Blatt 4 und das Meßtischblatt 5411 Dierdorf.
Auf beiden Karten ist die Anlage als KD (Kulturdenkmal) gekennzeichnet.

Literatur und Quellen:
• Kersten, Dürrholz – Muscheid (Kreis Neuwied). In ‚Bonner Jahrbücher 140/41, 1936, S. 488.
• Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Kreis Neuwied, Düsseldorf 1940, S. 98.
• H. Preißing, Alte Wehranlagen im Kreis Neuwied VII. Der Abschnittswall Dürrholz bei Muscheid.
  In Heimat-Jahrbuch des Landkreises Neuwied 1984, S. 43-45.
• R. von Uslar, Verzeichnis der Ringwälle in der ehemaligen Rheinprovinz.
  In Bonner Jahrbücher 153/1953, S. 132, Nr. 84.
• R. von Uslar, Studien zu frühgeschichtlichen Befestigungen zwischen Nordsee und Alpen.
  Beihefte der Bonner Jahrbücher Bd. 11, Köln Graz 1964, S. 165-189.
• H.-H. Wegner (Bearb.) Der Westerwald, Kreis Altenkirchen und Westerwaldkreis.
  Früher zu archäologischen Denkmälern in Deutschland 26, Archäologie an Mittelrhein und Mosel 8,
  Stuttgart 1993, S. 115/116 Elkenroth, S. 164 Niederahr.

Station 5: Erdwall unbekannter Herkunft

Auszug aus der Muscheider Schulchronik:
 
„In dem Walddistrikt „auf den Eisenkaulen“ beginnend, zieht sich in einem nach Norden
geöffneten Bogen durch die Distrikte „in den Dellen“ und „in den Thälen“ ein Graben.
Die Ansichten über seine Entstehung gehen auseinander. Manche schreiben ihn den Germanen zu,
andere wieder vertreten die Meinung, die Römer hätten ihn angelegt.
Wahrscheinlich ist er, wie auch die im Wald südlich Linkenbach,
von den Österreichern aufgeworfen worden, als diese, von den Franzosen bei Neuwied geschlagen,
über den Westerwald zurückgingen und erst an der Steinstraße und dann auch südlich Muscheid
Widerstand zu leisten versuchten.“

Station 6: Hochbehälter von 1935

Auszug aus der Muscheider Schulchronik:
 
„In den Jahren 1899/1900 wurden die Orte Daufenbach und Muscheid mit den ersten Wasserleitungen versorgt.
Durch den Maurer W. Bürger aus Daufenbach wurde die Muscheider Quelle „in der Au“,
die einen Weiher speiste, im Winter 1935/36 eingefasst
und durch die Rhein-Wied-Gesellschaft mit einer elektrischen Pumpe versehen.“

Der alte Hochbehälter aus den 1930igern Jahren liegt am Waldrand ist noch deutlich zu erkennen.

Station 7: Muscheider Theaterplatz

Auszug aus der Muscheider Schulchronik:
 
„Diese Freilichtbühne baute der Sportverein über die obere Quelle in den „Thälen“
und spielte an den Sonntagen in der Zeit vom 7. August bis 2. Oktober 1932 mit über 30 Darstellern
das Volksbühnenspiel „Deutsch und frei“.
Die Vorstellung für Kinder am 24. August wurde von allen Schulen des Amtes Puderbach besucht,
rund 450 Kinder mit ihren Lehrern waren erschienen.“

Über das Stück selbst schrieb die Neuwieder Zeitung:
„Deutsch und frei“ ist kein modernes Tendenzstück, es befaßt sich nicht mit den Lasten und Leiden
der jetzigen Zeit (1932), sondern führt zurück in das Jahr 1813, das Jahr,
dem dem Preußen des Königs Aufruf „An mein Volk“ Folge leistete,
um des Landes Freiheit mit der Waffe zu erringen.
Dem steht heute der Ruf nach Einigkeit im Kampfe mit den Waffen des Geistes gegenüber.
„Deutsch und frei“ zeigt, wie auch damals kurze Besatzungszeit genügte, um nachzuäffen,
was man jenseits der Grenzpfähle kann, um andererseits aber auch Charakter von Stahl und Eisen
erwachen zu lassen, denen es vorbehalten blieb, Schwächlinge zu Besinnung zu bringen.

Man bekommt Einblick in das durch die französische Besatzung beeinflußte Familienleben,
sieht in einer flotten Szene, wie die Jugend in heller Begeisterung zu den freiwilligen Jägern eilt,
folgt diesen ins Lagerleben und in den Kampf,
um schließlich auch noch Zeuge der Siegesfeier für die heimkehrenden Krieger zu sein.“

Spiel, Aufführung und Musik gefielen allgemein. Die Einnahmen betrugen rund 700 M,
der hohen Unkosten wegen war der Überschuß doch sehr gering. Unerwähnt soll nicht bleiben,
daß die Dorfbewohner und Bestrebungen des jungen Vereins stark unterstützten, anderseits fiel auf,
daß die Kreise, die nicht müde werden von ihrer vaterländischen Gesinnung zu sagen und zu singen,
der Veranstaltung fernblieben. Von den eingeladenen Krieger-, Gesang-, Turn-, Feuerwehr- und Sportvereinen
kamen nur der Puderbacher Feuerwehr-, der Honnefelder Krieger- und der Jahrsfelder Turnverein.
Die Vorstellung für Kinder am 24. August wurde von allen Schulen des Amtes Puderbach besucht,
rund 450 Kinder mit ihren Lehrern waren erschienen.

Einer Beschwerde an das Kreisgesundheitsamt zufolge mußte die Freilichtbühne von der Quelle entfernt werden.
Der Beschwerdeführer konnte nicht ermittelt werden, weil die Namensunterschrift unleserlich war.
Auch erwähnt das Schreiben und wohl mit Absicht,
die Wasserentnahme aus dem Wegegraben seitens der Familie W. Becker in Daufenbach.

Die Aufführung des Spiels in Rengsdorf brachte nur einen geringen Überschuß.

Station 8: Der Hohlweg von Dürrholz

Hohlwege sind Zeugen früherer wirtschaftlicher Verkehrsverbindungen.
Sie entstanden immer dort, wo Handelswaren, Rohstoffe oder Versorgungsgüter transportiert werden mussten.
Bei Dürrholz wurde ein Reststück von einem früher viel genutzten Hohlweg erhalten,
der jahrhundertelang die Hauptverbindung zwischen Neuwied und Altenkirchen war.

Auszug aus dem Heimatkalender von 1958 zu alten Verkehrswegen/Hohlwegen:
Die Besiedlung der wiedischen Kirchspiele Anhausen, Rengsdorf und Honnefeld im Mittelalter

Das in der Umgebung von Rengsdorf die Rodung rascher vordrang als im Kirchspiel Anhausen,
ist wohl dem alten Völkerweg zuzuschreiben, der von Niederbieber über Melsbach
westlich am alten Rengsdorf vorbei zur Hochfläche emporstieg und weiter über Puderbach-Steimel
zur Hohen Straße Frankfurt-Köln und zur alten Leipziger Straße bei Hachenburg ins Innere Deutschlands führte.
Diese Höhenstraße brauchte nicht solche Steigung zu überwinden wie die in gleicher Richtung ziehende Straße
über die Alteck.

Welche Bedeutung man ihr seit je beigemessen hat, erkennen wir an den Maßnahmen,
die in den verschiedenen Zeiten getroffen wurden, um sie zu decken und zu sichern.
Die Römer sperrten sie durch das zweitgrößte Limeskastell, das Kastell Niederbieber.
Im Mittelalter erbaute das hier herrschende Grafengeschlecht nur etwa 1 km von der Straße entfernt
seine Stammburg Sied (Altwied), nach der das Geschlecht sich bis heute nennt.
Zu welcher Zeit jedoch die Straßensperre nordwestlich von Rengsdorf errichtet wurde,
die einen feindlichen Aufstieg vom Rheine her zur Hochfläche abwehren sollte, wissen wir nicht.
Man hielt sie früher für ein Stück des Limes und gab ihr daher fälschlicherweise den Namen „Römergraben“,
den sie noch heute trägt.

Die alte Straße schneidet den Wall genau in der Mitte und geht dann etwa 350 m weiter nördlich
in die heutige Bundesstraße 256 über, die von da ab den alten Völkerweg überdeckt.
Ob die Sperre in irgeneinem Zusammenhange mit dem dicht daran grenzenden Rengsdorf gestanden hat, ist unbekannt.

In einer Urkunde des Fürstl.-Wied. Archivs vom Jahre 1524 wird eine
„Hecke und Landwehr auf der hohen Straße oberhalb Hunenfeld, wo die Straße nach Horhusen geht“,
erwähnt und in einer weiteren von 1588, „das Gebück zwischen Honnenfeld und Linkenbach auf der Rheinstraße“.
Vermutlich handelt es sich bei beiden um die gleiche Straßensperre, die wir dort zu suchen haben,
wo die alte Straße von Bertenau (Neustadt-Wied) her und die von Horhausen wiedisches Gebiet betraten
und in die „Landstraß uff Andernach“, wie die Heerstraße auf einer Karte von 1589 genannt wird, einmündeten.

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